Die Nase voll, von der Erkältung

Erkältung

So „banal“ der Infekt auch ist, umso lästiger ist er: die harmlose Erkältung, von der Medizin „grippaler“ oder eben „banaler Infekt“ genannt, macht sich mit bekannten Symptomen wie Husten, Schnupfen oder Heiserkeit bemerkbar. Was man vorbeugend tun kann, um Erkältungen ein Schnippchen zu schlagen? „Nichts“, sagt Michael Kunze, Sozialmediziner von der MedUni Wien. Während man bei einer echten Grippe mit der Grippeimpfung vorbeugen kann, wäre der einzige wirkliche theoretische Schutz vor Erkältungen, den Kontakt mit Kranken absolut zu vermeiden, ebenso wie Händeschütteln. Schwierig also für alle, die nicht wie der fiktive Sheldon Cooper aus der US-Serie „The Big Bang Theory“ als Sozialphobiker jeglichen körperlichen Kontakt meiden. Sondern etwa die alltägliche Fahrt ins Büro mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unternehmen. „Händewaschen ist natürlich immer gut“, ergänzt Kunze.

„Eine Erkältung dauert eine Woche, mit Medikamenten sieben Tage.“
Alte Volksweisheit

Unterschied Grippe – Erkältung

Wichtig ist, zwischen einer Erkältung und einer „echten“ Grippe (Influenza) zu unterscheiden: „Typisch für die Grippe ist der schlagartige Beginn mit hohem Fieber“, so der Sozialmediziner. Alles tue weh, die Kranken hätten ein starkes Krankheitsgefühl mit Muskelschmerzen. Dann heißt es ab zum Arzt. „Ein banaler Infekt äußert sich hingegen durch einen langsamen Beginn mit einem leichteren Verlauf und nur etwas Fieber.“ Ein Arztbesuch sei nicht notwendig. Außer: „Gelblicher Auswurf ist ein Zeichen für eine Infektion. Steigt das Fieber stark an, kann es sich auch um eine Lungeninfektion handeln. Dann lieber einmal zuviel zum Arzt gehen als einmal zu wenig, vor allem in Hinblick auf eine Superinfektion“, wenn sich zur viralen Infektion eine bakterielle Infektion hinzugesellt.

Die große Mehrzahl der banalen Infekte wird von den unterschiedlichsten Virenarten übertragen, wie Rhino-, Adeno- oder Parainfluenza-Viren. Deshalb der Ratschlag bei einer Erkältung: „Keine Antibiotika!“, sagt Mediziner Kunze. Denn diese wirken nur gegen Bakterien, nicht aber gegen Viren. Was er vorschlägt? „Einen grippalen Infekt muss man nicht behandeln, denn er vergeht ohnehin wieder nach ein paar Tagen.“ Von Antihistaminika rät er bei Erkältungen ebenfalls ab, wer Aspirin, Kopfweh- oder Schmerzmittel verwenden wolle, könne dies natürlich tun. Am Spruch „Eine Erkältung dauert eine Woche, mit Medikamenten sieben Tage“ ist also etwas Wahres dran. Ebenfalls „immer gut“ seien Hausmittel, wie etwa Essigpatscherl bei Fieber. Ob man bei einer Erkältung das Bett hüte oder weiter arbeiten gehe, sei individuell verschieden: „Jeder hat ein subjektiv anderes Krankheitsempfinden.“ Das Übergehen der Erkältung ist – im Gegensatz zur Influenza – übrigens harmlos.

TCM als Alternative?

Was er von anderen Ansätzen, wie etwa der traditionell chinesischen Medizin (TCM) hält? „Die wissenschaftliche Evidenz der TCM ist extrem dünn gesät – aber why not? Ich bin sehr liberal geworden. Wer glaubt, es hilft, soll es nehmen. Wissenschaftlich gesehen ist aber an den meisten Dingen sehr wenig dran“, so Kunze.

Eine, die von der TCM überzeugt ist, ist Ernährungsberaterin Alexandra Rampitsch aus Wolfsberg, Kärnten (www.apfelbaum.cc). „Wenn die Nase rinnt, spricht man in der TCM von ‚eingedrungener‘ Kälte. Diese gilt es nun, wieder aus dem Körper zu bringen“. Am besten mit Ingwertee aus zwei bis drei frischen Ingwerscheiben (bei Halskratzen auch mit Honig), einem heißen Fußbad aus Ingwer oder mit Wacholder. „Zum Essen durchaus auch ein paar scharfe Gewürze wie Chili, Pfeffer, Zwiebel oder Nelken im Apfelkompott, dann wird der ‚pathogene Erreger‘ auch gleich wieder ausgeschwitzt.“ Sei die Erkältung stressbedingt, brauche der Körper auch viel Ruhe. Denn auch der Schlaf sei wichtig für ein gut arbeitendes Immunsystem.

Eine Erkältung entsteht aus TCM-Sicht übrigens bereits 90 Tage vor dem Ausbruch: So sammeln wir schon im Sommer zuviel Kälte im Körper an durch Rohkost wie Obst, Salate und Smoothies, kalte Getränke mit Eiswürfeln oder kühlende Lebensmittel wie Milchprodukte. „Alles, was wir essen und trinken, wird von unserem Körper erst mal auf Körpertemperatur gebracht, bevor es verarbeitet werden kann. Unsere Verdauung muss mit soviel kühlendem Essen erst einmal zurecht kommen, was ihr ganz schön viel Energie abverlangt“, so Rampitsch. Wird unser sogenanntes Verdauungsfeuer in diesen 90 Tagen geschwächt, bilden sich Schlacken (Feuchtigkeit/Schleim laut TCM). Die Folge: der Energiefluss stockt, die Organe werden nicht mehr optimal versorgt und auch das Immunsystem hat für die Abwehr nicht mehr genügend Energie zur Verfügung – eine Erkältung entsteht.

Warme Mahlzeiten stärken hingegen das Verdauungsfeuer, das auch unser Immunsystem mit Energie versorgt. Also etwa Porridge oder Eierspeise zum Frühstück, Suppen oder Eintöpfe abends essen. Statt kühlenden Südfrüchten lieber auf wärmende heimische Vitamin-C-Spender setzen wie Fenchel, Kohl oder Kraut, Kräuter wie Petersilie und Kresse oder Beeren wie Sanddorn- und Johannisbeeren. Rohes wie Obst oder Salat dabei besser als Beilage essen, Süßigkeiten am mittags als Nachspeise. „Dazu regelmäßige Bewegung im Freien, wenig Stress und ein funktionierendes Sozialleben“, verrät die Ernährungsberaterin ihr TCM-Rezept.

Heilkräuter gegen Erkältung

…haben eine lange Tradition, von Hildegard von Bingen bis Sebastian Kneipp. Ein kleiner Überblick über die beliebtesten Kräuter bei Erkältungen, die seit Generationen vor allem als Tee zum Einsatz kommen.

Eibischwurzel
Die enthaltenen Schleimstoffe umhüllen die gereizten Schleimhäute und werden traditionell bei Hustenreiz eingesetzt.

Fenchel
Löst den Schleim und erleichtert das Abhusten.

Holunderblüten
Haben eine schweißtreibende und fiebersenkende Wirkung.

Isländisch Moos
Bei Husten mit Auswurf dank hustenlindernder Wirkung bewährt.

Lindenblüten
Treibt uns die Schweißperlen ins Gesicht und eignet sich bei Erkältungen mit Fieber.

Mädesüßblüten
Entzündungshemmende und fiebersenkende Wirkung.

Salbei
Bei Halsweh und Schluckbeschwerden Salbeitee gurgeln. Antiviral, antibakteriell und entzündungshemmend.

Spitzwegerich
Enthält Schleimstoffe und lindert Hustenreiz.

Thymian
Fördert das Abhusten von zähem Schleim.

Foto/Video: Shutterstock

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