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Öko-Faktor Biogas

Ein Beitrag des Verbandes Kompost & Biogas

Biogas ist ein Gas, das entsteht, wenn Biomasse unter Luftabschluss durch Bakterien zersetzt wird. Biogas kennt man seit 240 Jahren, der große Ausbau von Biogasanlagen in Österreich fand mit dem Ökostromgesetz, dass mit Anfang 2003 in Kraft ging, statt. Die in Österreich von den Biogas-Pionieren entwickelten Innovationen wurden und werden europa- und weltweit exportiert.
Trotz aller Entwicklungen im Bereich Ökostrom, kann Österreich seinen Strom nicht mehr selbst erzeugen. Seit dem Jahr 2000 übersteigt die Importmenge an Strom ständig die Exportmenge. Österreich bezieht dabei seinen Importstrom überwiegend aus Deutschland und Tschechien. Beide Länder sind bekannt für ihren hohen Kohle- und Atomstromanteil. Im Jahresschnitt importiert Österreich daher schon mehr Atomstrom als das AKW Zwentendorf produziert hätte.

Multitalent Biogas
Biogasanlagen versorgen ganzjährig 160.000 Haushalte mit nachhaltigem Strom. Die Wärme, die Biogasanlagen über Wärmelieferungen und Wärmedienstleistungen abgeben, ersetzen rund 40 Mio. l Heizöl. Zusätzlich werden 14 Mio. m3 Biomethan produziert, welches 1:1 russisches Erdgas ersetzt.
Biogasanlagen sind eng mit der regionalen Wirtschaft vernetzt. Rund 95 Prozent aller Ausgaben verbleiben in Österreich, wodurch das Bruttoregionalprodukt mit rund 120 Mio. Euro pro Jahr positiv beeinflusst wird.
Durch die Vielzahl an der Biogastechnik beteiligten Gewerke erzielt Biogas die höchsten Nettoarbeitsplatzeffekte unter den erneuerbaren Energien. Insgesamt arbeiten (rund 3500 Vollzeitarbeitsplätze für den Sektor Biogas, 95 % in den Regionen Österreichs.)
Das Unterstützungsvolumen für Ökostrom aus Biogas lag 2016 bei 1,80 Euro pro Haushalt und Monat.
www.kompost-biogas.info

Nun ist der Zeitpunkt gekommen, bei dem der durch das Ökostromgesetz fixierte gesetzliche Rahmen ausläuft. Die Biogasanlagenbetreiber, die rund 450 Mio. Euro in diese „Zukunftstechnologie“ investiert haben, verlieren dadurch die Möglichkeit, ihre noch ausstehenden Kredite zu bedienen und weiter zur Energiewende beizutragen. Nachdem die Betreiber wesentlich in die Effizienzsteigerung und den Einsatz alternativer Substrate investierten, versprach die Regierung vor über drei Jahren, effizienten Biogasanlagen ein Angebot zum praktikablen Weiterbetrieb zu machen. Dieses Angebot ist aber noch immer nicht in ein Gesetz gegossen, obwohl rund 70 Prozent der Anlagen die Anforderungen der Regierung erfüllen. Der derzeitige Entwurf bedeutet das Aus für 80 Prozent aller Biogasanlagen. Ob das eine nachhaltige Klima- und Energiestrategie des Staates Österreich ist, kann bezweifelt werden.

Leider wird Biogas auf den Ökostrom reduziert. Biogas ist aber viel mehr. Zusatzleistungen wie die Biowärmeversorgung, die Entsorgung von biogenen Abfällen oder die Naturdüngerproduktion können beim Abdrehen von den Anlagen ebenfalls nicht mehr erbracht werden. Noch dazu ist auch die Stromproduktion nicht mit der Stromproduktion aus anderen Erneuerbaren zu vergleichen. Strom aus Biogas ist praktisch jederzeit verfügbar. Auch im Winter, wenn die Flüsse wenig Wasser führen, wenig Wind weht und die Sonneneinstrahlung nur einen Bruchteil ausmacht. Investitionen in flexible und verlässliche Stromversorgung werden immer wichtiger. Die Entwicklungen gehen genau in diese Richtung. So könnten die bestehenden Anlagen bereits so viel Energie liefern, dass österreichische Gaskraftwerke ein Monat lang mit erneuerbarem Gas befeuert werden könnten. Mit derartigen zukunftsorientierten Konzepten bringt man die notwendige Energie jederzeit und bedarfsgerecht zur Industrie oder in die Städte.

Die Politiker setzen derzeit leider nicht auf stabile Rahmenbedingungen für Investoren. Das Engagement, dem Klimawandel entgegen zu wirken und auf nachhaltige Energieversorgung umzustellen liegt nahezu bei Null.

www.kompost-biogas.info

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Geschrieben von Helmut Melzer

Als langjähriger Journalist habe ich mir lange die Frage gestellt, was denn aus journalistischer Sicht tatsächlich Sinn machen würde. Meine Antwort darauf siehst Du hier: Option. Auf idealistische Weise Alternativen aufzeigen – für positive Entwicklungen unserer Gesellschaft.

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