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Kampf dem illegalen Welpenhandel

Seit Jahren kämpft die Tierschutzorganisation Vier Pfoten gegen den boomenden illegalen Welpenhandel. In der Aufklärung der Bevölkerung und in strengen Strafen für die Verkäufer sieht sie Möglichkeiten, die Welpenmafia  zu schwächen.

Die geschalteten Anzeigen waren den Tierschützern schon seit mehreren Monaten verdächtig vorgekommen: Fotos von Welpen, die in Kaffeetassen gesteckt wurden, um ihre niedliche Größe zu demonstrieren, Preise weit unter dem Niveau seriöser Züchter. Immer wieder unterschiedliche Namen und Telefonnummern der Anbieterin. Als sich schließlich eine Geschädigte bei Indra Kley (Bild) meldete und erzählte, dass ihr Malteser zwei Tage nach dem Kauf schwer krank wurde und verstarb, beschloss die Kampagnenleiterin von Vier Pfoten, etwas zu unternehmen.

Welpenhandel
Welpenhandel

 

Kley meldete sich bei der Händlerin und gab vor, einen Chihuahua kaufen zu wollen. Vor Ort stellte sie gezielte Fragen. „Sie behauptete, die Hunde regelmäßig von einer Freundin aus Ungarn zu bekommen, die sie dort angeblich züchtet. Die Tiere seien natürlich alle nicht weniger als acht Wochen alt, also nicht zu jung von der Mutter weggenommen worden. Krankheitsfälle unter den Welpen seien bei ihr noch nie vorgekommen“, erzählt Indra Kley. „Der Hund erschien mir mit freiem Auge jedenfalls jünger.“ Kley bat um „Bedenkzeit“ und verabschiedete sich – um den zuständigen Amtstierarzt zu verständigen.

Kurz danach statteten alle gemeinsam der Händlerin einen weiteren Besuch ab: Nach einer Einvernahme wurde der Chihuahua konfisziert und ins Wiener Tierschutzhaus gebracht, gegen die Frau wurde Anzeige erstattet. Wie schon in einem anderen Fall, den Vier Pfoten aufgedeckt hatte, hoffte die Organisation auf angemessene Strafen: „Wenn den profitgierigen Verkäufern als letztes Glied in dieser kriminellen Kette aus Hundevermehrern, also Produzenten, und Zwischenhändlern, künftig auch Gefängnisstrafen drohen, dann lohnt sich dieses schmutzige Geschäft nicht mehr für die Hundemafia“, sagt Tierschützerin Kley.

Boomender Welpenhandel

Der Welpenhandel mit Rassetieren boomt bereits seit Jahren: Zu Tausenden werden sie preiswert und unter falschen Angaben im Internet, in Zoohandlungen und auf öffentlichen Plätzen angeboten. Für die Kaufinteressierten scheint es praktisch: Unkomplizierte Auswahl übers Internet, kaum Formalitäten beim Kauf – und ein Preis, der mehr als überzeugend ist.

„Illegaler Welpenhandel ist jedoch kein Kavaliersdelikt: Es ist ein Geschäft mit Tierleid und Betrug am Konsumenten“, sagt Kley. Es beginnt damit, dass die Tiere meistens in Osteuropa unter schrecklichen Bedingungen „produziert“ werden: „Die Muttertiere sind reine Gebärmaschinen, deren Welpen ihnen viel zu früh weggenommen werden, um sie dann, meistens mit gefälschten Papieren und Impfpässen, durch halb Europa zu führen. In vielen Fällen sind die Tiere schwer krank. Wenn sie nicht sterben, dann sehen sich die neuen Besitzer oft mit hohen Tierarztrechnungen konfrontiert. Der Händler taucht in der Regel unter und übernimmt keine Haftung.“

Welpenhandel: Ohne Impfung über die Grenze

In Österreich darf ein Welpe von der Mutter nicht weggenommen werden, bevor er acht Wochen alt ist. Allerdings ist die Situation eine völlig andere, sobald ein Tier über die Grenze gebracht wird. Indra Kley: „Um einen Hund über eine EU-Grenze zu transportieren, muss dieser gegen Tollwut geimpft sein. Diese Impfung kann er aber frühestens in einem Alter von zwölf Wochen bekommen. Erst nach weiteren 21 Tagen ist der Impfschutz dann gegeben und der Hund tatsächlich reisefit. Somit ist es im Regelfall unmöglich, dass ein Welpe ohne Muttertier, der jünger als 15 Wochen alt ist, legal nach Österreich gekommen sein kann.“ Die illegalen Welpenhändler fälschen die Impfpässe oder andere nötige Dokumente, etwa für den Transport. Vier Pfoten weiß aber auch von Fällen von „schwarzen Schafen“ unter den Tierärzten, die beispielsweise Blanko-Impfpässe ausstellen. Damit werden nicht nur Konsumenten in die Irre geführt, auch die Gesundheit der Welpen wird fahrlässig aufs Spiel gesetzt.

Das Wiener Welpenhändler-Pärchen wurde übrigens im März wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Tierquälerei zu zwei Jahren Haft, davon acht Monate unbedingt, verurteilt. Fünf Tage nach dem Urteil wurde bei einer Kontrolle in der Wohnung des Pärchens abermals ein serbischer Malteserwelpe mit ungültigem Impfpass entdeckt.

Von Elisabeth Penz, Vier Pfoten

 

Tipps für den Welpenhandel

Schauen Sie zuallererst in ein Tierheim. Auch dort sind viele Rassetiere zu finden.  Ansonsten wenden Sie sich nur an seriöse, zertifizierte Züchter.

Die Übergabe sollte nur beim Anbieter zu Hause stattfinden. Übergaben auf öffentlichen Plätzen bzw. „Hauszustellung“ weisen auf unseriöse Welpenhändler hin.

Achten Sie darauf, dass das Muttertier im gleichen Haushalt lebt und gesund und munter wirkt.

Schauen Sie, ob der Anbieter eine große Anzahl verschiedener Welpen bzw. Rassen besitzt. In diesem Fall handelt es sich höchstwahrscheinlich um einen Welpenhändler.

Die Welpen sollten bei der Übergabe mindestens acht bzw., falls aus dem Ausland,  15 Wochen  alt sein.

 

Über Vier Pfoten

Vier Pfoten ist eine international tätige Tierschutzorganisation mit Hauptsitz in Wien. Die 1988 von Heli Dungler gegründete Organisation setzt sich mit nachhaltigen Kampagnen und Projekten für den Tierschutz ein. Grundlagen dafür sind wissenschaftliche Expertise, fundierte Recherchen sowie intensives nationales und internationales Lobbying. Der Fokus liegt auf Tieren, die unter direktem menschlichen Einfluss stehen: Streunerhunde- und -katzen, Labor-, Nutz-, Wild- und Heimtiere sowie Bären, Großkatzen und Orang-Utans aus nicht artgemäßer Haltung. Mit Niederlassungen in Europa, Südafrika und den USA sorgt die Organisation für rasche und direkte Hilfe für Tiere in Not. www.vier-pfoten.at

 

Foto/Video: Shutterstock, Vier Pfoten

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