Plastiksackerl
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Das Verbot von Plastiksackerl und die Zertifizierung „EN 13432“

BOKU-Expertin empfiehlt Verbot aller Einweg-Plastiksackerl in Österreich, die Nutzung umweltfreundlicher Alternativen und erklärt die EN 13432-Zertifizierung

Auf wissenschaftlicher Basis empfiehlt Ines Fritz, Expertin für biologisch abbaubare Kunststoffe an der Universität für Bodenkultur in Wien (BOKU), ein Verbot aller Einweg-Plastiksackerl in Österreich und stattdessen die Nutzung von Mehrweg-Tragetaschen oder biologisch abbaubaren Sackerl.

Bei Einweg-Sackerl sei die Zertifizierung „EN 13432“ entscheidend: „Die EN 13432-Zertifizierung ist für alle Verpackungsmaterialien in Europa möglich. Das Prüfverfahren zu bestehen, ist jedoch nicht leicht“, sagt Fritz. Die BOKU-Expertin erklärt die Voraussetzungen und den Prozess: „Die Überprüfung der Zusammensetzung schließt den Kunststoff, alle seine Zusätze und Bestandteile, sowie Druckfarben und Klebstoffe mit ein. Alle diese Teile müssen frei von Schadstoffen wie Schwermetallen sein und es muss ein vollständiger biologischer Abbau gewährleistet sein. Das Material muss vollständig in CO2, Wasser, Mineralstoffe und in neue mikrobielle Biomasse umgesetzt werden und wird einer Prüfung unter Kompostierungsbedingungen unterzogen. Dabei wird beobachtet und gemessen, ob das Produkt im Kompost während längstens 90 Tagen vollständig zerfällt und ob es die Arbeit des Kompostierens stört. Schlussendlich wird noch geprüft, ob die Kompostqualität beeinträchtigt wurde. Nur wenn das Produkt alle Anforderungen erfüllt, ist eine EN 13432-Zertifizierung möglich. Dieses Produkt ist dann garantiert störungs- und schadstofffrei gemeinsam mit Bioabfall kompostierbar und erzeugt qualitativ hochwertigen Kompost.“

Durch die Verwendung eines Bio-Kreislauf-Sackerls anstatt eines Plastiksackerls sieht Fritz einen zweifachen Nutzen für die Umwelt: „Es gibt eine Sofortwirkung und eine langfristige Verbesserung unserer Umweltsituation. Kurzfristig wird jedes Bio-Kreislauf-Sackerl, das ein Plastiksackerl ersetzt, den Eintritt von neuem Mikroplastik in unsere landwirtschaftlichen Böden verringern. Auch der Wind verweht Plastik und es sammelt sich in Windschutzgürteln oder in Bächen, Flüssen, Seen und Meeren an. Ein verwehtes Bio-Kreislauf-Sackerl wird hingegen auch auf Böden oder im Wasser vollständig abgebaut und richtet somit keine Umweltschäden an. Dies ist der langfristige Effekt: eine mit den Jahren hoffentlich stetig geringer werdende Umweltverschmutzung mit Kunststoffresten.“

Plastiksackerl im Müll

Laut Schätzungen wird ein Plastiksackerl durchschnittlich 12 Minuten benutzt, bevor es im Müll landet. Nur drei Prozent aller Plastiksackerl weltweit werden wiederverwendet. Ein gewisser Anteil landet in der falschen Mülltonne oder in unserer Landschaft und benötigt zwischen 20 und 500 Jahren, bis es wieder abgebaut ist. Allein in Österreich werden pro Kopf und Jahr laut Zahlen der EU-Kommission 51 Plastiksackerl in Umlauf gebracht. Global 2000 schätzt, dass mehr als 100 Plastiksackerl pro Person verbraucht werden und die Gesamtzahl in Österreich bei zirka 1 Milliarde pro Jahr liegt. Bereits 9.250 Menschen unterstützen die Online-Petition zur Einführung eines österreichischen Bio-Kreislauf-Sackerls.

Foto/Video: Shutterstock

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Geschrieben von Helmut Melzer

Als langjähriger Journalist habe ich mir lange die Frage gestellt, was denn aus journalistischer Sicht tatsächlich Sinn machen würde. Meine Antwort darauf siehst Du hier: Option. Auf idealistische Weise Alternativen aufzeigen – für positive Entwicklungen unserer Gesellschaft.

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