Helmut Melzer
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Der Gutmensch – Editorial von Helmut Melzer

Naiv und weltfremd – So umschrieb kürzlich ein guter Bekannter den Begriff Gutmensch in einer hitzigen Debatte über Globalisierung und Wirtschaftskrise. Damit ist er hierzulande nicht alleine. Insbesondere in sozialen Netzwerken wird der Begriff gerne verwendet – als das, was er u.a. laut Wikipedia ist: eine gehässig oder verachtend gemeinte Verunglimpfung derer, die gut sein wollen.

2011 wurde Gutmensch genau deshalb zum Unwort des Jahres gewählt. Die Begründung: „Mit dem Ausdruck Gutmensch wird das ethische Ideal des ‚guten Menschen‘ in hämischer Weise aufgegriffen, um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzuqualifizieren.”

Doch was ist von einer Gesellschaft zu halten, in der sich der Begriff Gutmensch in dieser Bedeutung fest verankert hat? Abseits der Frage was gut und schlecht für den Einzelnen bedeutet, für mich ist es sonnenklar: Opportunisten haben ein Wort gefunden, um sich selbst und ihre Meinung und Taten zu rechtfertigen. In einer Diskussion ist es meist eindeutig: Wenn der Begriff Gutmensch fällt, findet das Gegenüber keine vernünftigen Argumente mehr.

Unsere Gesellschaft ist in vielerlei Hinsicht gespalten – bei Vermögensverteilung, ökologischen Fragen, Sozialthemen. Eines steht unbestritten fest: Ohne die Gutmenschen der langen Menschheitsgeschichte gäbe es keine Demokratie, kein Wahlrecht, keine Menschenrechte, keine Sozialleistungen und keine Pension, keine Qualitätsstandards bei Lebensmittel, keinen Tierschutz… Die Liste ist lang.

Foto/Video: Option

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Geschrieben von Helmut Melzer

Als langjähriger Journalist habe ich mir lange die Frage gestellt, was denn aus journalistischer Sicht tatsächlich Sinn machen würde. Meine Antwort darauf siehst Du hier: Option. Auf idealistische Weise Alternativen aufzeigen – für positive Entwicklungen unserer Gesellschaft.

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