Drittes Geschlecht
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Drittes Geschlecht offiziell anerkannt

Jetzt ist es für Alex Jürgen endlich offiziell soweit: Die erste Geburtsurkunde und der erste Reisepass mit drittem Geschlechtseintrag sind nun eingelangt. Alex Jürgen ist die erste Person, die sich rechtlich den Geschlechtseintrag „divers“ bzw. „X“ erkämpft hat – also ein drittes Geschlecht, wenn man so will.

2016 hat Alex Jürgen die Eintragung eines dritten Geschlechtseintrags am Standesamt beantragt. Drei Jahre später ist es soweit: Mit den neuen persönlichen Dokumenten gibt es endlich auch eine auch eine rechtliche Anerkennung der Existenz intergeschlechtlicher Menschen in Österreich.

Drittes Geschlecht
Drittes Geschlecht

Was ist die dritte Option und seit wann gibt es sie?

Die Eintragung des Geschlechts ist im Personenstandsgesetz 2013 geregelt. Bisher wurden Menschen im Personenstandsregister entweder als „männlich“ oder „weiblich“ eingetragen. Seit 2019 ist in Österreich der Geschlechtseintrag „divers“ als dritte Option neben „männlich“ und „weiblich“ möglich. Alex Jürgen hat sich diese dritte Option (Drittes Geschlecht) vor Gericht erkämpft und ist die erste Person mit einer Geburtsurkunde mit dem Geschlechtseintrag „divers“ und einem „x“ im Reisepass.

Der österreichische Verfassungsgerichtshof (VfGH) entschied am 15. Juni 2018 (G 77/2018), dass intergeschlechtliche Menschen ein Recht auf adäquate Bezeichnung im Personenstandsregister haben. Das heißt, sie haben das Recht, dass ihre Geschlechtsidentität auch im Personenstand zum Ausdruck kommt und die Republik Österreich muss eine weitere Personenstandskategorie neben „männlich“ und „weiblich“ zulassen. Alternativ hat der VfGH der Republik Österreich die Möglichkeit eingeräumt den Geschlechtseintrag ganz aus offiziellen Dokumenten zu streichen.

Einen „dritte Option“ gibt es mittlerweile in zahlreichen Ländern. In Australien, Bangladesch, Dänemark, Deutschland Indien, Malta, Nepal, Neuseeland, Portugal und einigen Bundesstaaten der USA gibt es eine dritte Kategorie wie „non-specified“ im Personenstand bzw. ein „x“ im Pass.

Warum haben manche Menschen ein „x“ im Reisepass?

Die Eintragung im Reisepass wird von der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) geregelt. Diese sieht neben „f“ für female/weiblich, „m“ für male/männlich auch „x“ für non-specified/unbestimmt vor – also ein drittes Geschlecht.

Was hat das mit Menschenrechten zu tun?

Der Verfassungsgerichtshof (VfGH) bezog sich in seiner Entscheidung auf den Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK). Dieser schützt das Privat- und Familienleben. Zum Privatleben zählt die menschliche Identität, Individualität und Integrität und damit auch die Geschlechtsidentität. Intergeschlechtliche Menschen sind weltweit Menschrechtsverletzungen ausgesetzt. Die wichtigste Forderung von Selbstvertretungsorganisationen weltweit ist der sofortige Stopp von Intersex Genital Mutilation (IGM) und der Schutz der körperlichen Integrität von intergeschlechtlichen Menschen.

Wer darf den Geschlechtseintrag auf „divers“ ändern?

Was ist für die Änderung eines Geschlechtseintrags notwendig? Laut des Erkenntnisses des Verwaltungsgerichtshofs von Dezember 2018 (Ro 2018/01/0015) können intergeschlechtliche Menschen („Personen mit einer Variante der Geschlechtsentwicklung“) beim zuständigen Standesamt einen Antrag auf Berichtigung ihres Geschlechtseintrags stellen. Laut des Erlasses des Innenministeriums von Dezember 20181 muss das Vorliegen einer Variante der Geschlechtsentwicklung („VdG“) weiters durch ein medizinisches Gutachten eines VdG-Boards festgestellt werden.

Was fordern Selbstvertretungsorganisationen?

Der Verein intergeschlechtlicher Menschen Österreich (VIMÖ) nennt fünf zentrale Forderungen für die Umsetzung der dritten Option:

1. Der Geschlechtseintrag soll die individuelle Geschlechtsidentität ausdrücken.

2. Die Eintragung des dritten Geschlechtseintrags darf nur selbstbestimmt erfolgen!

3. Der dritte Geschlechtseintrag muss unabhängig von medizinischen Diagnosen oder körperlichen Geschlechtsmerkmalen sein!

4. Bürokratische Hürden zur Änderung des persönlichen Geschlechtseintrags müssen abgebaut werden.

5. Der Geschlechtseintrag soll mehrmals gewechselt werden können.

Weitere Infos bei:

http://www.plattform-intersex.at/

http://www.vimoe.at/

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Foto/Video: Shutterstock

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Geschrieben von Helmut Melzer

Als langjähriger Journalist habe ich mir lange die Frage gestellt, was denn aus journalistischer Sicht tatsächlich Sinn machen würde. Meine Antwort darauf siehst Du hier: Option. Auf idealistische Weise Alternativen aufzeigen – für positive Entwicklungen unserer Gesellschaft.

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