Label-Dschungel die 2. (7/56)

Scheinbar bin nicht nur ich enttäuscht von der Aussagekraft von gewissen Ökolabels. Einen drastischen Schritt geht jetzt laut Medienberichten die Schokoladenmanufaktur Zotter. Denn Zotter verabschiedet sich vom Fairtrade Label. Grund für den Ausstieg ist die sogenannte Massenbilanzierung. Gegenüber der Tageszeitung KURIER sagt er: „Sie erlaubt es, dass in einem Fairtrade-Produkt auch nicht fair gehandelte Rohstoffe stecken. Das ärgert mich. Das ist doch ein Beschiss am Kunden, der sich etwas anderes erwartet.“

Harte Worte gegenüber einer weit renommierten Organisation. Zotter wird künftig mit einem eigenen Logo arbeiten. Somit gibt es wieder ein neues Label im Dschungel. Die Kritik an der Massenbilanzierung rechtfertigt Fairtrade-Österreich-Chef Hartwig Kirner im KURIER so: „Ohne sie müssten die Hersteller entlang der Wertschöpfungskette immer in getrennten Chargen produzieren, was teuer ist.“ Die hohen Kosten würden zu sinkenden Absätzen führen, die den Bauern schaden würde, argumentiert er. „Fairtrade-Schoko ist wie Ökostrom. Da kommt auch nicht Strom aus Windkraft aus der Dose, man unterstützt das Ökostrom-System.“

Fairtrade soll leistbar sein! Für den Großhandel und im Diskonter. Ich ertappe mich allerdings selbst, dass ich skeptisch reagiere, wenn ich die mittlerweile recht große Auswahl an Fairtrade Produkten zu richtig leistbaren Preisen im Diskontmarkt sehe. Trotzdem fühle ich mich besser beim Kauf von gelabelten Produkten, als deren ungekennzeichneten Adäquate. Der Ausstieg Zotters von Fair Trade macht den Weg durch den Dschungel nicht leichter. Zum Glück sagt Zotter aber auch: „Ich halte Fairtrade ja weiter für eine gute Idee, es ist besser als gar nichts. Aber ich will, dass meine Kunden eine Schokolade bekommen, in der drin ist, was drauf steht.“ Glück gehabt – Sinnkrise gerade noch abgewandt.

2 Kommentare

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  1. Das Argument von Zotter ist ein weit verbreitetes, aber eigentlich Schwachsinn: Fairtrade ist KEIN Qualitätsmerkmal (und eigentlich auch Bio nicht), sondern garantiert deutlich bessere Einkünfte für Landwirte in Entwicklungsländern & Co.

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Geschrieben von Karin Bornett

Bloggerin in der Option-Community, freie Journalistin und Texterin. Technikaffines Labradorfrauchen mit großem Interesse an Innovation und Nachhaltigkeit, Gefallen für Dorfidylle und Faible für urbane Kultur.

www.karinbornett.at

Verloren im Label-Dschungel

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