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Klimawandel: Wie das Wetter verrückt spielt

War Ihr Wohnzimmer heuer auch eine Sauna? Es ist dem Klimawandel zuzuschreiben, dass uns künftig vermehrt Extremwetter-Ereignisse heimsuchen – vor allem ungewohnte Hitzewellen. Das Eigenheim sollte darauf vorbereitet werden.

Klimawandel Wetter

Seit über 40 Jahren beschäftigt sich eine der größten Versicherungen der Welt, die Munich Re (ehemals Münchener Rück), mit dem Thema Klimawandel und seinen Auswirkungen. Das ist ihr Geschäft. Das Ergebnis ist wie erwartet wenig erfreulich: Weltweit, so belegt auch die Weltkarte der Naturgefahren der Versicherung (siehe nachfolgend), werden die Extemwetter-Ereignisse weiter ansteigen. Alleine 2016 wurden 750 Einzelereignisse als Naturkatastrophen eingestuft – mit einem geschätzten Gesamtschaden von rund 50 Milliarden US-Dollar. Nicht eingerechnet jene Veränderungen, die unter anderem Österreich zusehends blühen: immer mehr extreme Regenfälle zwischen anhaltenden, trockenen Hitzeperioden.

Klimawandel Wetter2
Klimawandel Wetter2

Die Studie „COIN – Cost of Inaction: Assessing the Costs of Climate Change for Austria“ hat dazu den drohenden Schaden für Österreichs Volkswirtschaft bis 2050 kalkuliert. Das Ergebnis: bis zu 8,8 Mrd. Euro jährlich kann dann der Klimawandel kosten, wenn sich umweltpolitisch nichts ändert. Dass der Wetterwandel stattfindet, steht schon länger fest, wie die Grafiken zu den Veränderungen bei Temperatur und Niederschlag von 1978 bis 2007 zeigen. Umso trauriger, dass hierzulande umweltpolitischer Stillstand herrscht. Zwar ist 2015 in Paris ein entscheidendes globales Klimaabkommen gelungen, tatsächliche Resultate lassen aber auf sich warten.

In diesem Zusammenhang steht auch fest: Diskussionen um nachhaltiges Bauen führen sich ad absurdum, weil sie aus der Gegenwart betrachtet werden. Für Hausbesitzer gilt die Frage: Wie wird unser regionales Klima in 10, 20 oder gar 50 Jahren aussehen?
Aus gutem Grund wird schon jetzt gewarnt: Die Wohnkosten der Zukunft sind nicht etwa nur die fürs Heizen, sondern besonders jene fürs Kühlen. Schon jetzt liegt der Wohnkostenanteil für das Kühlen bei zehn bis 15 Prozent.

Einen wesentlichen Faktor bei der künftig umso entscheidenderen Energieeffizienz stellen die Gebäudehülle und eine entsprechende Dämmung dar. Dazu geben etwa die Untersuchungen des Viva Forschungspark in Wopfing, NÖ., Aufschluss. In zehn Forschungshäusern aus unterschiedlichen Baustoffen simuliert der Baustoffhersteller Baumit gemeinsam mit Forschungseinrichtungen reale Wohnsituationen und erforscht Zusammenhänge zwischen Baustoffen und deren Auswirkungen auf die Gesundheit. Fazit: Bei fast allen Bauphysik- und Behaglichkeitsevaluierungen schneidet das ungedämmte Haus schlechter ab, als die gedämmten Häuser. Nicht zu vergessen: Ein ungedämmtes Haus verbraucht bis zu 250 Prozent mehr an Energie. Und: Die Wissenschaftler der FH Burgenland haben sich in ihrer Analyse intensiv mit den bauphysikalischen Auswirkungen der Bauweisen beschäftigt. Dabei hat sich gezeigt: Häuser mit guter Außendämmung und Innenmasse speichern Energie am besten und gleichen kurzfristige Temperaturschwankungen optimal aus – egal ob Hitze oder Kälte. Vor allem der Massespeicher Beton schützt vor sommerlicher Überhitzung.

Experiment mit Eisblock

Einen sehr guten Beweis für die Wirkung nachhaltigen Bauens bei Hitze brachten kürzlich auch die NGOs Passivhaus Austria und Global 2000 anhand eines Experiments: Eine halbe Tonne Eis schmolz heuer im April in zwei Mini-Häusern. Eines der Häuser war im Passivhaus-Standard, eines in Standardbauweise errichtet worden. Der Eisblock im Standardhaus hielt nicht einmal vier Wochen stand und schmolz vor dem Muttertag endgültig dahin. Der Eisblock im gedämmten Passivhaus hat den sommerlichen Außentemperaturen mehr als 60 Prozent länger standgehalten. Nach eineinhalb Monaten waren immer noch 20 kg Eis übrig. „Dies macht deutlich, dass energieeffizientes Bauen sich sowohl für eine hohe Behaglichkeit im Winter als auch im Sommer auszahlt. Das Passivhaus schützt auch im Sommer viel besser vor Überhitzung, heizt aber andererseits nicht den Klimawandel an“, dazu Günter Lang von Passivhaus Austria.

Foto/Video: Shutterstock

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Geschrieben von Helmut Melzer

Als langjähriger Journalist habe ich mir lange die Frage gestellt, was denn aus journalistischer Sicht tatsächlich Sinn machen würde. Meine Antwort darauf siehst Du hier: Option. Auf idealistische Weise Alternativen aufzeigen – für positive Entwicklungen unserer Gesellschaft.

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