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Naschen und die besseren Alternativen

Bio-Süßigkeiten
Bio-Süßigkeiten

Die gute Nachricht: Wir sind vollkommen unschuldig! Unsere Leidenschaft fürs Naschen wird schon vor unserer Geburt geweckt. „Erste Geschmackserfahrungen werden bereits im Mutterleib gemacht. Die Zusammensetzung des Fruchtwassers verändert sich in Abhängigkeit von der Ernährung der Mutter und von Umweltexpositionen. Das Fruchtwasser enthält neben Nährstoffen auch Geschmacks- und Geruchsmoleküle, welche die fetalen Geschmackssinneszellen stimulieren“, stellt Petra Rust vom Department für Ernährungswissenschaften an der Universität Wien fest – und weiß dies auch zu belegen: So wurden etwa bei Neugeborenen, deren Mütter in der Schwangerschaft Anisprodukte zu sich nahmen, direkt und am vierten Tag nach der Geburt positive Reaktionen auf Anisgeruch beobachtet, während bei Neugeborenen, deren Mütter keine Anisprodukte zu sich nahmen, häufig Gesichtsausdrücke der Ablehnung zu erkennen waren.
Und abseits dessen, wir stehen allesamt auf Süßes – von Geburt an. Rust: „Klinische Beobachtungen von unterschiedlichem Schluckverhalten beim Fötus durch Injektionen von süßen oder bitteren Substanzen in das Fruchtwasser, zeigten eine Bevorzugung für süße und eine Abneigung gegenüber bitteren Substanzen. Diese Beobachtungen geben einen vagen Hinweis auf die Geschmackspräferenzen, da fetale Reaktionen nur limitiert gemessen werden können.“

„In der Natur sind süße Substanzen als gute Energiequelle assoziiert, wohingegen bittere Substanzen mit Toxizität in Verbindung gebracht werden.“
Petra Rust vom Department für Ernährungswissenschaften, Uni Wien

 

Die Erklärung der Ernährungswissenschaftlerin: Die angeborene Süßpräferenz hat sich möglicherweise entwickelt, um die Akzeptanz von geeigneten Nahrungsmitteln für die Ernährung sicherzustellen: allen voran Muttermilch. In der Natur sind süße Substanzen als gute Energiequelle assoziiert, wohingegen bittere Substanzen mit Toxizität in Verbindung gebracht werden.
Knabberfreunde sind übrigens Nachzügler: Die Fähigkeit Salz zu schmecken zeigt sich erst um das vierte Lebensmonat. Ab diesem Alter kann eine Bevorzugung für salzige Lösungen im Vergleich mit Wasser festgestellt werden.

Genetische Veranlagung zu Süßem

Die Leidenschaft für Süßes gilt aber nicht für alle im gleichen Ausmaß. Petra Rust zum wissenschaftlichen Hintergrund: „Durch genetische Variation kommt es zu individuellen Geschmackswahrnehmungen. Menschen zeigen eine genetische Veranlagung für die Bevorzugung des süßen Geschmacks. Die Geschmackswahrnehmung von süß wird beim Menschen durch Heterodimere G Protein-gekoppelte Rezeptoren, welche durch die TAS1R2 und TAS1R3 kodiert werden, vermittelt. Einzelne Abweichungen in der Nukleotid-Sequenz können zu einer Variation in der Sensitivität für süß führen.“

Schlecht: viel Fett, viel Salz

Der Geschmack jedenfalls beeinflusst die Lebensmittelauswahl maßgeblich, wobei die Süße der Nahrung den größten Einflussfaktor darstellt, der bestimmt was insbesondere Kinder essen wollen. Doch was ist denn eigentlich – abseits von Zucker – so schlecht am Naschen? Auch dazu gibt Ernährungswissenschaftlerin Rust Auskunft: „Süßigkeiten enthalten neben Zucker zumeist zu viel Fett geringer Qualität und damit Energie, Salziges natürlich zudem zu viel Salz. Der Verzehr derartiger Produkte erfolgt zudem meist unbewusst nebenbei. Die Kombination mit Fernsehen oder Computerspielen – das heißt zu geringe körperliche Aktivitäten – bedingen eine Energieimbalance, welche Übergewicht und Adipositas fördert.“
Die Empfehlung: Süßigkeiten stellen daher keine optimale Zwischenmahlzeiten dar. Nachdem vor allem Kinder Süßes aber sehr gern mögen, könnten ab und zu vollwertige süße Hauptspeisen oder fruchtige Desserts in den Speiseplan eingebaut werden.

Gesunde Alternativen

Keine Frage, an gesunden Alternativen beim Naschen mangelt es eigentlich nicht. „Es eigenen sich Obst und Gemüse, sowie Trockenfrüchte, Nüsse, fettarme, ungesüßte oder wenig gesüßte Milchprodukte. Obst und Gemüse müssen attraktiv gestaltet werden – zum Beispiel kindgerechte Stücke oder spezielle Formen wie einer Radimaus oder Gurkenschlange. Bei Nüssen und Trockenfrüchten muss auf die Portionsgröße geachtet werden, da diese doch relativ energiereich sind“, empfiehlt Rust. Hinzu kommen zahlreiche Produkte wie Fruchtriegel, die es schon fertig im Supermarkt gibt. Allerdings gilt auch hier: Erst prüfen, ob diese auch wirklich halbwegs gesund sind, oder nur einfach so tun.

Ökologische & Soziale Alternativen

Naschen hat aber auch eine globale Bedeutung. Auch bei Süßigkeiten, Knabbereien und Nasch-Alternativen ist bewusster Konsum angesagt. Wem etwa ein hoher Zucker- oder Fettgehalt egal ist, sollte doch wenigstens bei ökologischen und sozialen Alternativen zugreifen. Längst werden sie angeboten, die Naschereien, deren Inhaltsstoffe in erster Linie aus biologischer Landwirtschaft stammen und so einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Worauf geachtet werden sollte: Regional, Bio, Fairtrade und Tierschutz.

Bewusstes Naschen

Regional
Ökologisch gesehen macht es gar keinen Sinn Produkte über weite Strecken zu transportieren. Achten Sie deshalb ganz besonders auf die Herkunft der jeweiligen Produkte, auch bei Obst und Gemüse. Dadurch tragen Sie zur Vermeidung von CO2-Emissionen durch Transporte bei.

Bio
Wenn schon, dann Bio. Das trifft nicht nur auf Obst und Gemüse zu, sondern auch auf viele andere Produkte, die es inzwischen in Bio-Variante gibt. Das Angebot, selbst in herkömmlichen Supermärkten, nimmt rasant zu: Chips etwa werden inzwischen schon aus Bio-Kartoffeln aus Österreich geschnitten, in Sonnenblumenöl im Kessel gebacken und ohne künstliche Zusatzstoffe hergestellt – vegetarisch, glutenfrei, laktosefrei.

Fairtrade
Bei Produkten und Rohstoffen aus ärmeren Ländern gilt es ausbeuterischen Praktiken einen Riegel vorzuschieben. Insbesondere Fairtrade setzt sich für gerechtere Löhne und faire Arbeitsbedingungen ein.

Tierschutz & Vegan
Ganz besonders vegan lebende KonsumentInnen, aber auch Tierschützer achten auf entsprechende Labels wie die Veganblume. Damit ist in jedem Fall garantiert, dass keine Tiere leiden mussten.

Verpackung
Bei einigen Gütezeichen werden sehr spezifische Anforderungen an die Verpackung gemacht. Zum Beispiel können bestimmte Materialien für die Verpackung verboten sein, wie chlorierte Kohlenwasserstoffe oder Aluminium.

 

Einen besonderen Part beim Naschen nimmt freilich Schokolade ein. Der wichtigste Bestandteil neben Zucker ist Kakao, der ausschließlich in fernen, ärmeren Ländern angebaut wird. Ausbeuterische Praktiken sollten nicht unterstützt werden. „In der Kakaoproduktion zählen lange Arbeitszeiten und schwere körperliche Tätigkeiten statt Schulbildung zum Alltag der dort oft als Sklaven beschäftigten Kinder“, so Gerhard Riess von der Produktionsgewerkschaft PRO-GE. Fairtrade setzt sich für faire Handelsbeziehungen und gerechte Arbeitsbedingungen für die Schwächsten in der Wertschöpfungskette ein. Dazu Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich: „Durch den Kauf von fair gehandelter Schokolade unterstützen KonsumentInnen das Verbot von ausbeuterischer Kinderarbeit und die Umsetzung von fairen Arbeitsbedingungen!“

Tipps: Kinder & Naschen

Bei einer ausgewogenen Ernährung kann ein maximaler Anteil von zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr aus Süßigkeiten und Knabbereien toleriert werden. Bei 4- bis 6-jährigen Kindern sind das maximal 150 kcal täglich. Je weniger Süßes, desto mehr Platz bleibt für nährstoffreiche Lebensmittel.

Strategien zum maßvollen Umgang mit Süßem, empfohlen von der deutschen Initiative für gesunde Ernährung:

Legen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind eine Ration für zwei Tage bis eine Woche fest. Innerhalb dieses Zeitraums entscheidet das Kind selbst, wie es sich seinen Vorrat aufteilt.

Verabreden Sie mit Ihrem Kind nur gemeinsam an die „Süße Dose“ zu gehen.
Machen Sie eine bestimmte Zeit zur Naschzeit, z. B. nach dem Essen.

Planen sie bewusst Nachtische oder eine süße Zwischenmahlzeit am Nachmittag ein. Süßes vor oder anstatt einer Mahlzeit zu essen, ist tabu.

Beugen Sie mit regelmäßigen Mahlzeiten dem Naschen vor.

Limonaden und Softdrinks sind die Ausnahme.

Kaufen sie nur wenige Süßigkeiten ein, sorgen Sie für attraktive Alternativen.

Einigen Sie sich bereits vor dem Einkauf auf eine Kleinigkeit, damit Ihr Kind weiß, dass es auch ohne zu quengeln eine
Süßigkeit bekommt.

Vermeiden Sie Sätze wie „Erst das Gemüse, dann gibt es etwas Süßes“, denn
das erhöht den Stellenwert der Süßigkeit.

Natürliche Süße nutzen

Die Vorliebe für den süßen Geschmack ist angeboren. Wie süß ein Lebensmittel empfunden wird, hängt jedoch allein von der Erfahrung ab. Gewöhnen Sie Ihr Kind an mäßig gesüßte Lebensmittel. Um die Süßschwelle zu senken, können Sie, zum Beispiel beim Zubereiten von Kuchen und Süßspeisen, die angegebene Zuckermenge reduzieren. Mit natürlich süßen Lebensmitteln wie frischem oder getrocknetem Obst oder Milchprodukten mit pürierten Früchten, lässt sich das Bedürfnis nach Süßem oft schon befriedigen. Sie liefern darüber hinaus eine Reihe wertvoller Inhaltsstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe.

Alternative Süßungsmittel

Süßungsmittel wie Honig, Dicksäfte oder Vollrohrzucker bieten keinerlei Vorteile gegenüber herkömmlichem Haushaltszucker. Auch Süßstoffe bieten keinen Ersatz. Sie enthalten zwar keine oder nur wenige Kalorien, fördern aber, genau wie Zucker, die Gewöhnung an den süßen Geschmack.

„Versteckten“ Zucker erkennen

Wie viel Zucker in Lebensmitteln enthalten ist, verrät ein Blick auf die Zutatenliste. Je weiter vorne der Zucker aufgeführt ist, desto mehr ist enthalten. Er versteckt sich hinter zum Teil weniger geläufigen Begriffen – wie die folgende Aufstellung zeigt:
Saccharose = Kristall-/Haushaltszucker
Glucose = Traubenzucker
Glucosesirup = Traubenzucker und Wasser
Dextrose = Traubenzucker
Invertzucker = Trauben- und Fruchtzucker
Maltose = Malzzucker
Fructose = Fruchtzucker
Lactose = Milchzucker

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Geschrieben von Helmut Melzer

Als langjähriger Journalist habe ich mir lange die Frage gestellt, was denn aus journalistischer Sicht tatsächlich Sinn machen würde. Meine Antwort darauf siehst Du hier: Option. Auf idealistische Weise Alternativen aufzeigen – für positive Entwicklungen unserer Gesellschaft.

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