Rene Kornfeld & Georg Zumann, Innhofstudios

Rene Kornfeld & Georg Zumann, Innhofstudios

Auf der Suche nach Selbstverwirklichung gestalten viele Einzelne die Welt unaufhaltsam neu. Option lädt ein zum Schulterschluss und interviewt erfolgreiche „Selbstverwirklicher“.

„Als Tonstudio sind wir ein reines Dienstleistungsunternehmen, zum Großteil im kreativen Bereich. Das heißt, dass die Personen und das Know-how dahinter das Besondere sind. Im Grunde genommen würde ich uns als Nerds beschreiben. Georg und ich sind sehr streng und direkt zueinander, noch mehr aber jeder Einzelne von uns zu sich selbst. Ich weiß, dass unsere Kunden viel von dem, was wir machen, gar nicht wahrnehmen, geschweige denn verlangen. Dennoch könnte keiner von uns beiden ruhig schlafen, wenn etwas rausgeht, womit einer von uns nicht zu 100 Prozent glücklich ist.“

Tonstudio, Rene Kornfeld & Georg Zumann (v.l., mit Jutta Doppelreiter): „Selbstverwirklichung bedeutet für mich, die Freiheit zu haben, Probleme so zu lösen, wie ich es für richtig halte, und meine eigenen Zukunftsvisionen zu kreieren.“

Was bedeutet für Sie Selbstverwirklichung?
Selbstverwirklichung bedeutet für mich die Freiheit zu haben Probleme so zu lösen, wie ich es für richtig halte und meine eigene Zukunftsvisionen zu kreieren. Ein Ziel vor Augen zu haben, es zu erreichen und dann ein Neues zu definieren ist ebenfalls eine ganz große Motivation für mich.

Was stand am Anfang? Was war der zündende Impuls? Das Anliegen?
Als Kind wollte ich immer Pilot werden. Ich war fasziniert von der Technik, den Knöpfen und Reglern, eben davon wie es in einem Cockpit aussieht. Und natürlich der momentanen Freiheit. Dann bin ich über die Musik zur Aufnahmetechnik gekommen und war von der Studiotechnik und den damit verbundenen Möglichkeiten ebenso fasziniert, so sehr, dass ich mich dazu entschloss eine Ausbildung in diesem Bereich zu absolvieren. Der Rest hat sich dann von selbst ergeben. Erst habe ich für Freunde produziert und mein Equipment konsequent verbessert und ausgebaut, was recht schnell dazu geführt hat, dass meine Wohnung immer mehr zu einem 24h Tonstudio mit Bett wurde und ich sowohl technisch als auch räumlich an meine Grenzen gestoßen war. Da fasste ich dann den Entschluss meine eigene Firma zu gründen und Räumlichkeiten anzumieten.

Welche Herausforderungen, Hindernisse galt es zu überwinden?
Ursprünglich hatte ich eine OEG mit einem Producer wo wir uns auf den Musikbereich spezialisiert haben. Obwohl ich schöne Erfolge feiern konnte und schon bald einen Amadeus Award in Händen hielt, wuchsen die Spannungen bis wir uns nach nur zwei Jahren entschlossen die OEG wieder aufzulösen. Das Gemeine an der Sache war aber, dass wir beide einen „Standard“-Mietvertrag unterschrieben hatten, der aber im Firmenmietrecht eine Verpflichtung für 5 Jahre darstellt. Somit waren wir weitere 3 Jahre aneinander gebunden ohne es eigentlich zu wollen.

Mein neuer Geschäftspartner Georg Zumann musste da sehr viel Zeit investieren, um all die Altlasten aufzuarbeiten um diese Zeit, auch mit unserem Vermietern zu einer doch noch für alle Parteien erträglichen zu machen. Alleine wäre das wohl nicht gegangen. Dafür waren die Fronten viel zu verhärtet. Außerdem musste nebenbei ein neues Studio geplant, gebaut und finanziert werden. Gemeinsam mit meinem neuen Geschäftspartner haben wir beschlossen, dass wir uns ab sofort als Werbestudio positionieren, da die Musiklandschafft im Begriff war zu zerbröseln. Leider hatten wir aber so gut wie keine Kontakte in der Werbebranche und noch weniger Aufträge. Er hat als studierter Betriebswirt zwar eine Ahnung davon, aber es ging doch um einiges schleppender als wir uns das vorgestellt hatten. Schon alleine weil die Branche mit anderen Gesetzten arbeitet.

Die Anfangsjahre waren hauptsächlich geprägt von Schulden und überschaubaren Erfolgen, aber irgendwie ist es sich dann doch immer ausgegangen und wurde stetig besser.

In dieser Zeit haben Georg und ich aber gelernt uns gegenseitig zu respektieren und zu vertrauen. Das war nicht einfach, besonders deshalb weil wir von Anfang an unsere Tätigkeitsbereiche getrennt hatten. Er macht das Kaufmännische und ich die Studioarbeit. Gerade wenn es einmal nicht so rund läuft ist es sehr verlockend die Schuld beim jeweils anderen zu suchen und ihm mangelndes Engagement vorzuwerfen. Gerade wenn man von dessen Tätigkeitsbereich keine Ahnung hat, geht das ja ganz leicht. Mittlerweile haben wir aber ein gewisses Urvertrauen zueinander entwickelt. Wenn einer von uns keine Ahnung von einer Sache hat, entscheidet der andere. Das ist zwar nach vor nicht immer leicht, aber es geht viel mehr weiter, seit wir das so handhaben.

Was ist das besondere bei Ihrem Projekt/Unternehmen? Bitte kurze Beschreibung.
Als Tonstudio sind wir ein reines Dienstleistungsunternehmen zum Großteil im kreativen Bereich. Das heißt, dass die Personen und das Know-How dahinter das besondere sind. Im Grunde genommen würde ich uns als Nerds beschreiben. Georg und ich sind sehr streng und direkt zueinander, noch mehr aber jeder Einzelne von uns zu sich selbst. Ich weiß, dass unsere Kunden viel von dem was wir machen gar nicht wahrnehmen, geschweige denn verlangen.
Dennoch könnte keiner von uns beiden ruhig schlafen, wenn etwas raus geht womit einer von uns nicht zu 100% glücklich ist.

Welchen Rat können Sie Anderen geben?
Ich hätte da drei:

1.) Kommunikation. Eine Firma lebt davon wie und wann man mit seinen Kunden und untereinander kommuniziert. Es ist furchtbar Mühsam unangenehme Dinge anzusprechen oder zu hinterfragen ob man richtig verstanden wurde, aber es zahlt sich aus.
2.) Qualität. Wir versuchen immer das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Egal ob der Job jetzt „gut“ oder „schlecht“ bezahlt ist. Ich weiß, dass das jetzt platt und nach Marketingsprech klingt, aber es hat uns mehr Neugeschäft gebracht, als alle Marketing-, Werbe-, Online-, Sponsoring- oder Akquiseaktionen.
3.) Bewegung. Bei uns muss sich immer etwas tun. Wir haben uns schon vor Jahren zum Ziel gesetzt, „tote Zeit“ zu nutzen. Wenn gerade nichts zu tun ist, dann denken wir uns was aus, leiern neue Projekte an oder probieren einfach etwas Neues. Dabei kommt zwar zu 90% Schrott raus, aber man lernt viel neues, erweitert seinen Horizont du die 10% Erfolge die man einfährt bringen mehr als ein Levelaufstieg bei WoW.

Jetzt, nach erfolgreicher Umsetzung – wie fühlen Sie sich? Würden Sie sich das alles nochmals antun?
Vor ein paar Jahren hätte ich das so noch nicht gesagt, aber ich fühle mich großartig. Das Geschäft läuft, wir haben tolle Kunden und können von unserer Arbeit leben. Ich würde es definitiv noch einmal machen, im Nachhein betrachtet, natürlich vieles anders. Aber das nennt man Erfahrung.

Rene Kornfeld & Georg Zumann, Innhofstudios: www.innenhofstudios.at

Hier gehts zu den Porträts im Rahmen der Serie „Selbstverwirklichung“.

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