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Superfoods: Mehr als gesund

Es gibt einen Smoothie, der versorgt den Körper mit 90 Prozent aller Nährstoffe, die er täglich benötigt. Obst und Salat, Hälfte-Hälfte gemischt und mit Wasser im Mixer aufgegossen. Gesund, keine Frage. Doch was den Smoothie zum Super-Smoothie macht, sind Zutaten wie Kakao, Macapulver, Gojibeeren und Hanfsamen. Riki Hinteregger heißt die Frau, die diesen Smoothie „Superhero Forever“ nennt und verkauft. Als sie gemerkt hat, wie gut ihr Superfoods tun, wollte sie das teilen – seit 2011 betreibt sie ein Geschäft mit Bar in der Neubaugasse 58 in Wien. Im April 2012 hat sie ihr Lokal um ein Restaurant erweitert. Das Team von „Dancing Shiva“ zählt mittlerweile 14 Gesichter.

Langsamer alt werden

Superfoods: Nussbraten, Pilzragout mit Macadamia-Cashew-Knödel oder Arabischer Teller: Riki Hinteregger ­bereitet ihre Gerichte nach dem Rohkostprinzip zu.
Nussbraten, Pilzragout mit Macadamia-Cashew-Knödel oder Arabischer Teller: Riki Hinteregger ­bereitet ihre Gerichte nach dem Rohkostprinzip zu.

Was genau aber sind Superfoods, die Riki’s Laden so erfolgreich machen? Einfach gesagt: Lebensmittel, die überdurchschnittlich reich sind an Vitaminen, wertvollen Fetten, Aminosäuren und sekundären Pflanzenstoffen. Der Begriff an sich ist eher Modewort denn fachlich klar definiert. Das Oxford English Dictionary versteht darunter „ein nährstoffreiches Lebensmittel, das für Gesundheit und Wohlbefinden als besonders förderlich erachtet wird“.
Dass Superfoods auf den Körper eine besonders positive Wirkung haben, weiß auch Ernährungsmediziner Christian Matthai: „Vitamine, Mineralstoffe und andere Antioxidantien schützen die Körperzellen vor den Schäden, die durch freie Radikale entstehen. Superfoods haben einen besonders hohen antioxidativen Anteil, damit unterstützen sie die Gesundheit und beugen einer Reihe von Krankheiten vor.“ Freie Radikale entstehen durch natürliche Stoffwechselprozesse, werden aber auch durch Zigaretten und Alkohol begünstigt. Und: Sie beschleunigen den Alterungsprozess. Der Umkehrschluss würde also lauten: Superfoods bremsen ihn, halten also jung.

Gefundenes Fressen für Hollywood

Im wahrsten Sinne des Wortes. Viele von den großen Hollywoodstars schwören auf die Ernährungsempfehlungen des amerikanischen Autors David Wolfe. Er gilt als der Mann, der Superfoods salonfähig gemacht hat. In seinem Buch „Superfoods – The food and medicine of the future“ listet er die wichtigsten auf: roher Kakao, Macapulver, Gojibeeren, Hanfsamen, Honig, Kokosnüsse – daraus sowohl Öl, Milch und am besten: das frische Kokoswasser. In der Liste finden sich auch Aloe Vera, Spirulina, Chlorella, die Acaibeere, Camu-Camu, Physallis – auch Inkabeere genannt –, Noni und Chiasamen. Und, last but not least: Phytoplankton. Richtig gelesen. Das Grundnahrungsmittel von Walen, der Ferrari unter den Superfoods – und genauso exklusiv, teuer und schwer zu bekommen.
Andere Autoren zählen auch noch weitere Lebensmittel wie verschiedene Nüsse, Granatapfel, rote Rüben, Heidelbeeren oder Artischocken zur Familie des „Super­essens“ – weit gefasst alles, was besonders nährstoffreich ist. Wir konzentrieren uns aber auf die Liste von David Wolfe.

Superfoods: Es darf experimentiert werden

Der rohe Kakao führt diese Liste auf Platz eins an. Nicht ohne Grund: In keinem anderen Lebensmittel findet sich eine derart hohe Konzentration an Antioxidantien. Ebenso liefert der Kakao besonders viel Magnesium und verschiedene Spurenelemente wie Eisen und Zink. Besonders reich an Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren sind die Chiasamen, Spirulina hingegen punktet mit einer enormen Dichte an unterschiedlichen Aminosäuren. Ebenso wie die Hanfsamen, die noch dazu reich an Fettsäuren und – darüber hinaus – in Österreich heimisch und daher vergleichsweise günstig sind. Generell gilt: „Es darf experimentiert werden. Das Konzept ist, die eigene Ernährung um so viele Superfoods wie möglich zu ergänzen und zu schauen, wie sich der Körper darüber freut. Ob Gojis, Chia- und Hanfsamen morgens auf das Müsli oder in den Salat, Kokonussöl in den Kakao oder alles zusammen in einen leckeren Smoothie“, sagt Superfood-Expertin Riki Hinteregger.

Trend der Veganer?

In den vergangenen Jahren sind Superfoods auch in Österreich populär geworden. Sie füllen die Regale von Reformläden und Bioläden, klar. Aber auch beim Supermarkt um die Ecke gibt es zwischenzeitlich ein – wenngleich überschaubares – Sortiment. Der Ernährungstrend freut auch Josefine Maran, Inhaberin des veganen Supermarktes „Maran Vegan“ in der Stumpergasse im sechsten Wiener Gemeindebezirk: „Ich habe diese Lebensmittel schon 1986 verkauft. Aber ihre besonders positive Wirkung auf den Körper hat sich herumgesprochen. Viele Menschen ernähren sich zunehmend vegan und das Marketingwort ,Superfoods‘ hat hier eine enorme Nachfrage geschaffen.“

Superfoods: Josefine Maran verkauft seit 1986 Biolebensmittel, seit einem knappen Jahr ausschließlich vegane. Superfoods sind hier sehr beliebt – auch bei Mitarbeiterin Anita Hammer.
Josefine Maran verkauft seit 1986 Biolebensmittel, seit einem knappen Jahr ausschließlich vegane. Superfoods sind hier sehr beliebt – auch bei Mitarbeiterin Anita Hammer.

Recherchiert man eine Geschichte über Superfoods, kommt man an der veganen Ernährung nicht vorbei. Viele Ernährungsexperten sagen Veganern nämlich nach, sie liefen Gefahr, durch den Verzicht auf Tierprodukte unter einem Nährstoffmangel zu leiden: Eisen, Calcium, Vitamin B12, Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Doch diese Nährstoffe finden sich nicht nur in Tierprodukten, sondern auch in Superfoods. Und zwar zuhauf. Darum sind Superfoods auch besonders bei Veganern beliebt, wie auch Anita Hammer erzählt. Sie ist selbst Veganerin und verkauft Superfoods bei „Maran Vegan“: „Wenn man sich dazu entscheidet, vegan zu leben, setzt das eine intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Ernährung voraus. Das geht immer weiter, und irgendwann landet man bei den Superfoods, weil sie total wertvoll sind und mich mit allen Nährstoffen versorgen, die ich brauche.“

Die Ernährung wird wichtiger

Rund zehn Prozent der österreichischen Bevölkerung ernähren sich vegetarisch, viele davon vegan. Tendenz: steigend. Doch reicht das als Erklärung für die steigende Beliebtheit der Superfoods? Ernährungsexperte Christian Matthai sieht noch einen anderen Grund: „Wir pflegen einen immer ungesünderen Lebensstil mit mehr Stress und ungesunder Ernährung. Viele gehen daher aktiv auf die Suche nach Möglichkeiten, diesem ungesunden Lebensstil entgegenzuwirken. Superfoods sind da eine sehr gute Möglichkeit, wobei natürlich generell eine ausgewogene Ernährung wichtig ist.“ Riki Hinteregger sieht das ähnlich: „Unsere Nahrung ist heute nicht mehr das, was sie vor 50 Jahren war. Unsere Körper müssen mehr „Gifte“ verarbeiten. Und die Menschen suchen und finden die Ursache für Krankheiten immer mehr in Ernährung.“

Superfoods sind überdurchschnittlich reich an Vitaminen, Aminosäuren und wertvollen Fetten – das macht sie so beliebt. Riki Hinteregger gibt in ihrer Speisekarte einen Überblick:

Roher Kakao: macht glücklich, sinnlich und steckt voller Antioxidantien
Gojibeeren: schenken schöne Haut, klare Augen und wirken verjüngend
Macawurzel: gibt Energie, macht stressresistent und ist ein Libidobooster
Hanfsamen: haben ein perfektes Fettsäure­spektrum und viele Proteine
Spirulina: fördert die Entgiftung, ist ein Blutbildner und Proteinquelle Nummer eins
Kokosnussöl: macht schön, verjüngt und kurbelt den Stoffwechsel an
Aloe Vera: für schöne Haut, Magen-Darm-Gesundheit und Nerven
Bienenprodukte: stärken Immunsystem, Verdauung und geben Energie
Camu Camu: ist die beste Vitamin-C-Quelle und hebt die Stimmung
Acai: schützt die Zellen und steckt voller Mineralien und Vitamine
Chlorella: fördert die Entgiftung und Ausleitung von Schadstoffen
Chia-Samen entgilften, regulieren den Blutzuckerspiegel und fördern den Gewebeabbau.

Alles Rohkost oder was?

In Riki’s Shop stehen mehrere Regale, gut sortiert, voll mit biologisch hergestellten und fair gehandelten Superfoods in Rohkostqualität: „Das heißt, dass die Lebensmittel bei maximal 42 Grad Celsius hergestellt und gewonnen werden. Ab dieser Temperatur werden nämlich bereits viele Enzyme zerstört, die der Körper bei seiner Verdauung dann wieder mit viel Energie herstellen muss. Das ist die Rohkostphilosophie, der wir hier auch im Restaurant Rechnung tragen.“

Die hohe Qualität hat ihren Preis: 100 Gramm Macapulver kosten hier 11,90 Euro, für 200 Gramm Gojibeeren dürfen 10,95 Euro aus der Börse geholt werden und 220 Gramm Spirulina wandern für 30 Euro über den Ladentisch. Die Preise sind mit jenen bei „Maran Vegan“ teilweise vergleichbar, einige Produkte sind dort auch günstiger zu haben.
Dafür gibt es bei „Dancing Shiva“ Kakaoelixiere, Smoothies und eine ganze Speisekarte an rohen Superfood-Gerichten inklusive. Und: Einen ganz besonderen Super-Smoothie, der dem Körper fast alles liefert, was er braucht.

Rezepte:

„Superhero Forever“ 
Riki Hinteregger hält ihn für den wertvollsten Smoothie in ihrem Sortiment. „Weil er den Körper mit 90 Prozent der Nährstoffe versorgt, die er täglich braucht.“
Als Basis Obst nach Geschmack und grüne Blätter (Spinat, Salat, Rucola etc.) zu gleichen Teilen in den Mixer und mit Wasser auffüllen. Auf Neudeutsch heißt das „Green Smoothie“. Dazu Superfoods in den folgenden Mengen: 1 EL Kakao, 1 TL Maca, 1 EL Gojibeeren, 1 EL Honig, 1 TL Spirulina und 1 EL Hanfsamen. Durchmixen, trinken, gesund bleiben.

„Chia Pudding“
Eine Empfehlung von Anita Hammer, Verkäuferin bei „Maran Vegan“ und Superfood-Fan.
3 EL Chiasamen, eine Tasse Kokos-, Soja-, Hafer- oder Mandelmilch, Zimt, Honig oder Agavensirup, 2 EL Kakao, wer will: Muskatnuss; über Nacht in den Kühlschrank, morgens freuen.

Foto/Video: Horvat

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Geschrieben von Jakob Horvat

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