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Trends Elektronik: Die Zukunft ist das Display

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Wir erleben derzeit die schnellsten Innovationszyklen in der Welt der Technik. Was heute ein Hype ist, muss aber nicht zwangsläufig Marktreife erlangen. Wir Menschen fordern Technik, aber zerstören sie auch, wenn sie uns zu nahe kommt.

Trends Elektronik: Displays sind demnächst überall

„Displays werden die größte Revolution der Zukunft sein. Sie werden unser Leben massiv beeinflussen“, prognostiziert Martin Wallner, Vice President Sales bei Samsung Österreich, die Trends bei Elektronik. Uns erwarten rollbare, biegbare, faltbare und transparente. „Jedes Schaufenster, jede Fensterscheibe in der U-Bahn wird ein Display sein.“ Möglich macht das die AMOLED-Technologie, bei der organische statt der herkömmlichen anorganische Leuchtdioden (LEDs) zum Einsatz kommen und das Display flexibel machen. In AMOLED steckt derart viel Potenzial, dass Wallner sogar ein komplettes Aussterben analoger Werbung voraussagt. „Konventionelle Plakate aus Papier werden durch Displays ersetzt werden.“

„Jedes Schaufenster, jede Fensterscheibe in der U-Bahn wird ein Display sein. Konventionelle Plakate aus Papier werden durch Displays ersetzt werden.“
Martin Wallner, Samsung Österreich

Ein anderes Anwendungsszenario könnte so aussehen: Supermärkte verteilen Gratiskühlschränke an ihre Kunden. Die Frontblenden sind Displays, die entsprechende Werbung und Bestellinterfaces für das jeweilige Supermarktsortiment anzeigen. Diese transparenten Displays gewähren gleichzeitig Einblick in den Inhalt des Kühlschranks. Versuche dazu hat es übrigens schon vor zwei Jahren von Samsung gegeben.

Aber wohin führt dieser Display-Wahn? Die „displayifizierte“ Umgebung zeigt auf den jeweiligen Betrachter abgestimmte Inhalte. Wir tragen alle ein Smartphone mit uns herum, das uns identifiziert und als Profil fungiert. Details über private Vorlieben, Konsumverhalten und berufliche Angelegenheiten haben wir ohnehin schon längst in diverse Clouds gefeuert. Den individuellen Inhalt eines digitalen Plakats schickt also schon unser Smartphone – oder welches Gerät es in zehn Jahren auch immer sein wird – voraus. Je mehr wir über uns selbst preisgeben, desto besser funktioniert diese Technologie.

Gatekeeper der Aufmerksamkeit

Daraus ergibt sich aber eine ganz neue Facette der personalisierten Inhalte. „Wer wird künftig entscheiden, was ich zu Gesicht bekomme oder nicht?“, gibt Wallner zu bedenken. Algorithmen werden unsere Gatekeeper sein – bei Werbung noch verkraftbar, aber durchaus bedenklich, wenn es um die automatische Filterung von Nachrichten geht.
Ähnlich bedenklich sind Entwicklungen in Richtung automatischer Aufmerksamkeitssteuerung. Während digitale Medien die Vielfalt und die Geschwindigkeit des Informationsflusses massiv steigern, wächst die menschliche Aufmerksamkeitskapazität nicht mit. Block-and-Focus-Services werden künftig unseren Fokus der Aufmerksamkeit steuern, indem sie die eintreffenden Informationen automatisch mit unterschiedlichen Priorisierungen versehen. Ein drastischer Eingriff in bestehende Denkmuster.

Das Ende der Smartphones

Auch das ist ein Trend bei Elektronik: Auch wenn heute schicke Smartphones im Rampenlicht stehen, wird es sie in dieser Form nicht mehr lange geben. „Hardware wird nicht mehr so im Mittelpunkt stehen wie heute“, meint Wallner. Hardware wird in Zukunft nur der stille Transporteur von Inhalten sein. Der Trend geht eindeutig in Richtung Trennung von Funkeinheit bzw. CPU (Zentrale Computereinheit), also einer Recheneinheit als Herz, und Display bzw. Interface. „So wie Displays werden auch die Interfaces mannigfaltig sein.“ Die Funkeinheit trägt man in irgendeiner Form ständig mit sich (z. B. als Uhr ums Handgelenk oder als Amulett um den Hals). Die „dazugehörigen“ Displays begegnen uns dann auf Alltagsgegenständen, wie etwa in Jacken, Möbel und Wände integriert oder eben nur als zusammengefaltetes Display zum Einstecken. Erste Tendenzen in diese Richtung zeigt Samsungs neue Smartwatch „Gear S“. Sie funktioniert als eigenständiges Handy, da die SIM-Karte in die Uhr integriert ist.

Auf dem Weg zur Trennung von CPU und Interface bzw. Display erleben wir derzeit kreative Versuche der Hersteller, die Vorzüge verschiedener Peripheriegeräte in einem zu kombinieren: Phablets, Padphones, Tabphones. Die nächsten logischen Entwicklungsschritte, so Wallner, werden wieder kleinere Geräte (à la iPhone), jedoch mit aufklappbarem oder faltbarem Display. Flexible Platinen und Akkus ermöglichen dies.

„Dedizierte Geräte könnten weichen, weil multifunktionale Gegenstände platzsparend und komfortabel an ihre Stelle treten. Zum Beispiel könnten intelligente Wände je nach Bedarf als Bildschirm, als Gemälde und als digitale Einkaufsliste fungieren. Mit Sensoren bestückt, könnten sie auch der häuslichen Sicherheit dienen“, verdeutlicht es Thomas Kiessling, Chief Product and Innovation Officer bei der Deutschen Telekom die Trends bei Elektronik.

Die Entkoppelung von Funkeinheit bzw. CPU wird neue Formen von Peripheriegeräten wie Schwammerl aus dem Boden sprießen lassen. Die Studie „Mikrotrends 2014“ des Zukunftsinstituts prognostiziert den Trend „Ubiquitous Interface“, wonach es zur Entkoppelung von Inhalten und Geräten kommt. Man hat seinen Desktop auf jedem Bildschirm seines Gerätepools.
Brillen à la „Google Glass“ werden zugunsten der Display-Revolution weichen. „Sie sind derzeit nur ein vorübergehender Nischenhype“, wagt Cornelia Kelber, Trend­expertin und Studienautorin beim Zukunftsinstitut, vorauszusagen. Dazu kommt noch die fehlende Bereitschaft von Nicht-Brillenträgern, nun plötzlich Brillen zu tragen.

Kein 3D in Sicht

Der Fernseher als Lagerfeuer, um das sich im Wohnzimmer alle gesellen, wird uns noch lange erhalten bleiben. Einziger Unterschied: Man wird ihn in Tapetenform an die Wand klatschen können. „Seit Einführung der Flachbildschirme versuchen die Hersteller den TV-Markt zu revolutionieren. Bisher blieben sie aber erfolglos“, so Wallner von Samsung. 3D-Fernsehen kann man durchaus schon als Flop bezeichnen, denn die User sind nicht gewillt, mit 3D-Brillen auf der Nase im Heimkino zu sitzen. Andererseits fehlt es an Inhaltsvielfalt. Schlecht steht es auch um den aktuellen Smart-TV-Hype. Denn die Theorie über die Trennung von CPU und Display setzt jenen intelligenten Fernsehern bald ein Ende. Inhalte streamt man über externe Geräte, etwa Smartphones, aus dem Internet und schickt das Signal kabellos an den Bildschirm.

Technik versus Gesellschaft

Technik und Gesellschaft stehen in einem Wechselspiel zueinander. „Einerseits reagiert die Technik auf die Bedürfnisse von Menschen, andererseits lösen technische Innovationen Bedürfnisse bei uns aus“, fasst Trendexpertin Kelber die zwei wesentlichen Hypothesen der Techniktrendforschung zusammen. Als Paradebeispiel gilt das iPad. Es wurde ohne offensichtlichen Bedarf seitens der Gesellschaft konzipiert. Kaum war es am Markt, entwickelten die Menschen ein starkes Bedürfnis danach. Demnach ist es sehr schwierig, so Kelber, Innovationen vorauszusagen. Die Erfolgsgeschichte von Facebook konnte niemand vorhersagen. „Technik bedingt auch Soziales. Solche Lawineneffekte kann man nicht prognostizieren“, gibt Kelber zu bedenken. Andere Innovationen, wie etwa Navigationsgeräte, entstanden aus rein gesellschaftlichem Bedarf. „Das Bedürfnis, sich nicht zu verlaufen, ist uralt“, so Kelber.
Neue Kommunikationsmittel, insbesondere virtuelle Kontaktmöglichkeiten, verändern die menschlichen Beziehungen. So hat Videotelefonie „Living Apart Together“, also die Beziehung zwischen geografisch getrennt lebenden Partnern, die ihr „Zusammenleben“ über technische Lösungen gestalten, forciert.

Per Hologramm telefonieren

Derzeit steht die holografische Telefonie in den Startlöchern. Dabei wird der Gesprächspartner in Gestalt eines 3D-Modells projiziert. „Spannend ist die Perspektive ja schon. Allerdings erlebt man auch Überraschungen – so hat die Videotelefonie die rein akustische bei Weitem nicht so entschieden und rapide ersetzt, wie manche Zukunftsgurus erwartet haben“, zeigt sich Kiessling von der Deutschen Telekom skeptisch. „Das Konzept ist technologisch sehr interessant, wird aber wohl erst in einigen Jahren marktreif sein. Ich sehe vor allem Potenzial bei Geschäftskunden, die diese Technologie für Videokonferenzen einsetzen“, fügt Marcus Grausam, Technik-Vorstand der Telekom Austria, einen weiteren Trend bei Elektronik hinzu.

Weniger Virtuelles?

Trotzdem darf man nicht glauben, dass sich unser Leben durch Technik mehr und mehr in die Virtualität verlagert. Ganz im Gegenteil, meint zumindest Kelber vom Zukunftsinstitut: „Facebook ist ein Beispiel dafür – hier kommunizieren wir unter realem Namen mit realen Personen, die wir meist persönlich kennen.“ Technik wird in Zukunft immer physischer. Was in den 90er-Jahren die Hacker im virtuellen Raum waren, sind heute die „Maker“. Sie kreieren freie Hardware samt öffentlich zugänglichen Bauanleitungen und bedrängen mit ihren Entwicklungen zunehmend die kommerziellen Hersteller. Gleichzeitig erhöhen sie aber deren Innovationsdruck.
Mehr physische Technik bedeutet gleichzeitig auch mehr Vernetzung. So sieht auch das Zukunftsinstitut „Konnektivität“ als einen der elf Megatrends, die „einen großen epochalen Charakter haben“. Absichten zur kompletten Vernetzung zeigen sich schon jetzt durch den rasanten Anstieg von M2M-Anwendungen („Internet der Dinge“). „Bald werden sogar Blumentöpfe eine IP-Adresse haben“, scherzt Kelber. Mehr Konnektivität bedeutet für uns Menschen, dass wir mehr kommunizieren und es gesamt gesehen zu mehr Offenheit und weniger Privatsphäre kommt.

Mensch hemmt Innovationen

Die größte Hemmschwelle bei der Durchsetzung von technischen Innovationen bzw. Trends bei Elektronik ist gleichzeitig ihr Erfinder: der Mensch. „Kommt uns die Technik zu nahe, hagelt es vehemente Abwehrreaktionen“, erklärt Kelber. So wurde etwa vor sechs Jahren das Gesundheitstracking-Portal Google Health mit Getöse aus der Taufe gehoben. Die fehlende Bereitschaft der User, es tatsächlich mit vertraulichen Gesundheitsdaten zu füttern, ließ es nur drei Jahre später sterben. Daher bleibt auch der langfristige Erfolg von Wearables (Geräte, die Bewegungsdaten aufzeichnen) fraglich.

„Kommt uns die Technik zu nahe, hagelt es vehemente ­Abwehrreaktionen.“
Cornelia Kelber, Zukunftsinstitut über die Trends Elektronik.

„Ob und, wenn ja, wie sehr sich Wearables durchsetzen werden, hängt stark davon ab, ob sie einen tatsächlichen Nutzen über Nischenzielgruppen hinaus generieren werden“, vermutet Grausam von der Telekom Austria. Wearables zur Körperüberwachung könnten besonders im Bereich der Altenpflege reüssieren, denn durch Ambient Assisted Living („altersgerechte Assistenzsysteme“) kann älteren Menschen der Umzug ins Heim erspart bleiben.

Foto/Video: Shutterstock

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