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Unter Strom – zur Lage des Stromverbrauchs in Österreich

Ist der Stromverbrauch in Österreich nachhaltig oder beziehen wir noch immer Atomstrom?

Ab 2019 startet in Westösterreich der großflächige Austausch auf „intelligente“ Stromzähler. In anderen Regionen Österreichs sind sie bereits installiert. Aber was bringen die sogenannten Smart Meter? Ist der Stromverbrauch in Österreich nachhaltig oder beziehen wir noch immer Atomstrom? Zur Lage des Stromverbrauchs in Österreich.

Um die Energiewende zu schaffen, setzen Städte, Gemeinden und Regionen verschiedenste Initiativen. Vom E-Mobility-Angebot bis zur Förderung von Photovoltaikanlagen. Der Maßnahmenkatalog ist lange. Trotzdem gibt es eine schlechte Nachricht vorneweg: Der Ausbau der erneuerbaren Energien zeigt nach unten, wie die Studie des BMVIT „Innovative Energietechnologien in Österreich – Marktentwicklung 2016“ zeigt. So ist der Biomassekesselverkauf um 10,9 Prozent, der Solarthermiemarkt um 18,7 Prozent und der Windkraftausbau sogar um 28,7 Prozent eingebrochen. Lediglich die Photovoltaik konnte laut Studie einen kleinen Zuwachs um 2,6 Prozent erreichen. Die Gründe für diese Rückgänge liegen, so die Studienautoren, vor allem in „ungünstigen Rahmenbedingungen“.

Innovationen und Investitionen

Diese gilt es nun von der Politik zu verbessern, sind sich Branchenvertreter einig. In Punkto Strom ist sich Franz Hofbauer, Präsident des OVE Österreichischer Verband für Elektrotechnik sicher, dass es vielerlei Maßnahmen für das Gelingen der Energiewende braucht: „Damit dieser angepeilte Paradigmenwechsel auch gelingt, gilt es, Herausforderungen auf dem Gebiet der dezentralen Stromerzeugung und -speicherung, der E-Mobilität bis zu Netz- und Datenmanagement für Smart Grids zu meistern. Insgesamt werden die dafür erforderlichen Investitionen insbesondere in die Netzinfrastruktur mit bis zu 50 Milliarden Euro bis 2030 abgeschätzt.“ In Westösterreich wird schon jetzt investiert:  Ab 2019 startet hier der großflächige Austausch auf digitale, „intelligente“ Stromzähler. Dafür haben sich die vier großen Netzbetreiber Westösterreichs zur Kooperation „Smart Meter West“ zusammengeschlossen. Mit der Umstellung werden nicht nur gesetzliche Auflagen (El-WOG 2010) erfüllt, sondern auch für den Kunden ein Mehrwert geschaffen: Stromkunden können im Web selbst mitverfolgen, wie viel Energie sie brauchen. Solch eine Kontrolle hilft dabei, Energiefresser zu orten und Strom zu sparen. Denn der umweltfreundlichste Strom ist immer noch jener, der nicht verbraucht wurde. Das schont letztlich auch das Budget. Im November 2017 erreichte der Strompreis laut Österreichischem Strompreisindex immerhin den höchsten Stand seit November 2015.

Derzeit decken die erneuerbaren Energien ein Drittel der gesamten Energieversorgung in Österreich ab. 50.208 GWh kommen von der Biomasse, 5.700 GWh von der Windkraft, 2.130 GWh von der Solarthermie und 1.096 GWh werden von der Photovoltaik beigesteuert. In Summe werden damit mehr als 13 Mio. t CO2 eingespart. Gleichzeitig importiert Österreich noch immer Erdöl, Gas und Kohle im Wert von 10 Milliarden Euro jedes Jahr.

Mehr Transparenz gefordert

Österreich ist zumindest auf den ersten Blick am Papier frei von Atomstrom. Denn sämtliche Anbieter lassen ihren Strom zertifizieren. Aber: Mehrere österreichische Landesversorger sind in (Teil-)Besitz von deutschen Atomstrom-Konzernen. Hier sei die Landespolitik gefordert, als Mehrheitseigentümer sicherzustellen, dass Gewinne in nachhaltige Investitionen im Sinne der österreichischen Energiezukunft investiert werden und nicht in den Kassen von Atom-Konzernen landen, so Karl Schellmann, Klimasprecher von WWF Österreich. Oft gründen „kreative“ Großkonzerne auch einfach eine (Österreich-)Tochter, die Strom von der Börse samt Nachweisen günstig zukauft und nie direkt ein (erneuerbares) Kraftwerk betreibt. „Der Grünstrom-Vertrag freut in diesen Fällen den Herrn Generaldirektor und dessen Aktionäre, leistet aber keinen zusätzlichen Beitrag zur Energiewende, wie dies bei den tatsächlich engagierten Anbietern der Fall ist“, erklärt Schellmann. Das Anti Atom Komitee fordert nun, dass jeder der in Österreich Strom verkauft, der e- control sämtliche Informationen zu Stromproduktion und Stromhandel offenlegen muss. Aktuell stammen laut IG Windkraft rund 30 Prozent des Stroms in Österreich aus nicht-erneuerbaren Quellen. Denn neben den Stromimporten (knapp 15 Prozent des gesamten Stromverbrauchs) werden weitere 15 Prozent der Stromversorgung noch immer durch Gas- und Kohlekraftwerke abgedeckt.

Karin Bornett

Bild: Sibylle Maus

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Geschrieben von Karin Bornett

Bloggerin in der Option-Community, freie Journalistin und Texterin. Technikaffines Labradorfrauchen mit großem Interesse an Innovation und Nachhaltigkeit, Gefallen für Dorfidylle und Faible für urbane Kultur.

www.karinbornett.at

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